Isla Santa Cruz
Nach der ruhigen und entschleunigten Atmosphäre auf San Cristóbal wirkte Santa Cruz auf uns zunächst fast wie eine andere Welt. Nachdem wir auf dem Flughafen, der auf der nördlich der Insel vorgelagerten kleineren Insel Seymour liegt, landeten, stiegen wir in einen Shuttle Bus ein, der uns zum Fährhafen von Seymour brachte. Die Fähre bzw. das Boot transportierte uns dann über die schmale Meerenge auf die Hauptinsel, auf Santa Cruz. Von dort geht es entweder per Bus (fährt erst ab, wenn es sich lohnt) oder Camioneta-Taxi (fährt sofort ab, sobald man einsteigt, ist dafür aber auch teurer) in die Inselstadt Puerto Ayora. Bereits beim Eintreffen in Puerto Ayora, der größten Stadt des Archipels, fällt auf, dass hier deutlich mehr Leben herrscht. Restaurants, kleine Geschäfte, Tauchschulen und Reisebüros prägen das Straßenbild. Dennoch verliert Puerto Ayora nie seinen typischen Galápagos-Charme und eignet sich hervorragend, um die Insel zu erkunden.
Unser erster Weg führte uns zur berühmten Charles Darwin Research Station, die wir jedem Besucher uneingeschränkt empfehlen können. Zwar ist für die eigentliche Führung ein lokaler Guide erforderlich, doch die investierte Zeit und das investierte Geld lohnt sich in jeder Hinsicht. Hier erfährt man nicht nur viel über die einzigartige Evolution der Galápagos-Inseln, sondern vor allem über die beeindruckenden Bemühungen zum Schutz der Galápagos-Riesenschildkröten. Besonders spannend fanden wir die Aufzuchtstation, in der Jungtiere nahezu aller Inselpopulationen heranwachsen, bevor sie später wieder ausgewildert werden. Außerdem befindet sich hier der präparierte "Lonesome George", die wohl berühmteste Riesenschildkröte der Welt und eines der beiden Wappentiere der Flagge der Galápagos-Inseln. Seine Geschichte macht eindrucksvoll deutlich, wie wichtig konsequenter Naturschutz auf den Inseln ist.
Nur wenige Gehminuten von der Forschungsstation entfernt liegen zwei kleine Strände. Mindestens einer davon eignet sich hervorragend zum Schnorcheln und bietet bereits einen schönen ersten Einblick in die Unterwasserwelt. Anschließend schlenderten wir entlang der Academy Bay, wo uns sofort auffiel, dass es hier deutlich weniger Seelöwen gibt als auf San Cristóbal. Dafür begegneten wir umso häufiger den urzeitlich wirkenden Meerechsen, die sich überall auf den schwarzen Lavasteinen sonnen. Ein echter Geheimtipp ist der beleuchtete Bootssteg am Abend. Das Licht zieht zahlreiche Fische an – und mit ihnen auch Riffhaie und andere Haiarten, die unter dem Steg ihre Kreise ziehen. Allein dieses Schauspiel machte den nächtlichen Spaziergang für uns bereits lohnenswert.
Am Ende der Hafenpromenade setzt ein kleines Panga-Taxi zur gegenüberliegenden Finch Bay über. Dort erreicht man nach wenigen Minuten den Playa de los Alemanes, einen schönen Badestrand mit feinem Sand. Zum Schnorcheln eignet er sich grundsätzlich ebenfalls, allerdings erschwert der aufgewirbelte Sand häufig die Sicht. Wenn sich das Wasser beruhigt, begegnet man dafür erstaunlich großen und farbenprächtigen Fischen.
Von dort führt ein ausgeschilderter, steiniger Weg weiter zu den berühmten Las Grietas. Der rund 80 Meter lange Felsspalt mit seinen bis zu 15 Meter hohen Lavawänden zählt zweifellos zu den eindrucksvollsten geologischen Sehenswürdigkeiten auf Santa Cruz. Das intensiv türkis schimmernde Wasser wirkt fast unwirklich. Inzwischen darf das Naturdenkmal nur noch gemeinsam mit einem lokalen Guide besucht werden, was dem Schutz dieses empfindlichen Gebietes dient. Unterwegs passiert man außerdem historische Salzbecken, aus denen früher Meersalz gewonnen wurde.
Ein weiterer Höhepunkt von Puerto Ayora ist die Wanderung zur Tortuga Bay. Vom Ortsrand führt ein etwa 3,5 Kilometer langer, hervorragend ausgebauter Weg mitten durch den Nationalpark bis zu einem der schönsten Strände der gesamten Galápagos-Inseln. Am Playa Brava erwartet einen fast schneeweißer, feiner Sand und eine beeindruckende Weite. Der offene Strandabschnitt ist aufgrund der starken Brandung hauptsächlich Surfern vorbehalten. Folgt man dem Strand jedoch weiter bis in die geschützte Bucht, wird das Wasser ruhig und kristallklar. Dort konnten wir herrlich baden und schnorcheln. Zwischen kleinen Haien, Meeresschildkröten und zahlreichen tropischen Fischen verging die Zeit wie im Flug. Wer möchte, kann hier außerdem Kajaks mieten und die Mangroven vom Wasser aus erkunden.
Auch abseits von Puerto Ayora lohnt sich eine individuelle Erkundung der Insel. Besonders begeistert hat uns El Garrapatero, das wir problemlos mit einer Camioneta oder einem Fahrrad erreichten. Der weitläufige Strand mit seiner ruhigen Bucht wirkt beinahe wie aus einem Bilderbuch. Obwohl sich der feine Sandboden kaum zum Schnorcheln eignet – die Sicht unter Wasser war bei unserem Besuch praktisch nicht vorhanden –, zählt El Garrapatero zu den schönsten Badeplätzen unserer Reise. Die wenigen Besucher, Picknickplätze und die Möglichkeit, Kajaks auszuleihen, sorgen für eine wunderbar entspannte Atmosphäre. Auf dem Weg dorthin passiert man außerdem den Aussichtspunkt Cerro Mesa, von dem sich ein Blick auf den riesigen Einsturzkrater El Gran Crater eröffnet. Die Aussicht ist schön, für uns jedoch kein absolutes Muss. Ebenfalls an der Strecke liegt der Bellavista-Tunnel, auch als Gallardo's Cave oder Tunel del Amor bekannt. Er gilt als einer der schönsten Lavatunnel der Insel, doch wir verzichteten darauf, da wir einen anderen Lavatunnel bereits auf einer späteren Tour besuchten.
Diese zweite selbst organisierte Tagestour entwickelte sich schließlich zu einem unserer persönlichen Höhepunkte auf Santa Cruz. Ähnlich wie bereits auf San Cristóbal kombinierten wir eine Camioneta mit geliehenen Fahrrädern. Nach der Fahrt zur Rancho Terramar ging es überwiegend bergab mit dem Fahrrad zurück nach Puerto Ayora. Anders als auf San Cristóbal benötigt man hierfür nur eine einzige Taxifahrt.
Die Rancho Terramar war für uns ein absoluter Geheimtipp. Während sich auf den bekannten Ranches El Chato oder Las Primicias zahlreiche Reisegruppen tummelten, genossen wir hier nahezu eine private Führung. Zwischen dichter Vegetation begegneten wir frei lebenden Galápagos-Riesenschildkröten in ihrer natürlichen Umgebung. Für Tierliebhaber ist dieses Erlebnis bereits unvergesslich – für mich als bekennenden Schildkrötenfan war es schlichtweg ein Traum. Anschließend erkundeten wir den rund 420 Meter langen Lavatunnel, der als einer der schönsten auf Santa Cruz gilt. Das Durchqueren dieser gewaltigen Lavaröhre vermittelte eindrucksvoll, welche gewaltigen vulkanischen Kräfte den Archipel einst entstehen ließen.
Rückblickend würden wir die Tour allerdings leicht verändern. Aus Unwissenheit ließen wir die berühmten Los Gemelos, zwei riesige Einsturzkrater vulkanischen Ursprungs, aus. Heute würden wir uns zunächst dorthin fahren lassen und erst anschließend mit den Fahrrädern Richtung Rancho Terramar starten. So hätten wir uns den äußerst anstrengenden Schlussanstieg erspart.
Wer lieber organisierte Ausflüge unternimmt, findet auf Santa Cruz nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Bootstouren werden zu fast allen bewohnten und vielen unbewohnten Inseln angeboten. Wir selbst entschieden uns für die Bahía-Tour, die sich als hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis erwies. Für lediglich rund 80 US-Dollar für zwei Personen erlebten wir einen abwechslungsreichen Tag.
Zunächst führte uns die Tour noch einmal zu den Las Grietas, bevor wir den Canal de Amor sowie den Canal de los Tiburones besuchten. Von oben konnten wir mehrere schlafende Weißspitzen-Riffhaie beobachten, die regungslos im flachen Wasser lagen. Anschließend führte ein kurzer Wanderweg zur felsigen Playa de los Perros, an der Baden zwar verboten ist, die jedoch hervorragende Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung bietet. Besonders glücklich schätzten wir uns, als wir beobachten konnten, wie Blaufußtölpel ihre Küken fütterten – ein unglaublich berührender Moment, den man wohl nicht bei jeder Tour erlebt. Auch Fregattvögel kreisten ständig über unseren Köpfen.
Den krönenden Abschluss bildete schließlich ein Schnorchelgang im Bereich des Canal de los Tiburones. Die Unterwasserwelt war schlicht überwältigend. Selten zuvor hatten wir eine derart farbenfrohe Vielfalt an Fischen erlebt. Das eigentliche Highlight wartete jedoch wenig später: Drei große, äußerst aktive Weißspitzen-Riffhaie schwammen direkt an uns vorbei. Obwohl diese Tiere für Menschen normalerweise ungefährlich sind, verspürten wir in diesem Moment durchaus Respekt und Ehrfurcht. Es war eines dieser Erlebnisse, die gleichzeitig faszinieren und den eigenen Platz in der Natur bewusst machen.
Eigentlich interessierten wir uns auch für die 180°-Tour mit einem Abstecher zur Insel Pinzón sowie für die Tour zur Isla Santa Fé. Nach mehreren Gesprächen mit Einheimischen und anderen Reisenden entschieden wir uns jedoch bewusst dagegen. Die schnellen Fahrten der kleinen Boote durch oft hohen Wellengang erschienen uns angesichts von Julias Schwangerschaft schlicht zu riskant. Rückblickend war diese Entscheidung für uns die richtige.
Santa Cruz ist für viele Reisende das touristische Zentrum der Galápagos-Inseln. Die Insel vereint beeindruckende Natur, nette Strände und vulkanische Landschaften sowie einige der wichtigsten Naturschutzprojekte des gesamten Archipels. Gerade die Mischung aus eigenständigen Entdeckungstouren und sorgfältig ausgewählten Bootsausflügen machte Santa Cruz für uns zu einer guten Insel, allerdings bevorzugen wir doch San Cristóbal. Das liegt vor allem daran, weil uns die Stadt auf Santa Cruz - Puerto Ayora - nicht so gut gefielt wie noch Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal. Der Flughafen ist näher, die Stadt selbst ist entschleunigender und es gibt vor Ort mit der wirklich wunderschönen Hafenpromenade, den einzigartigen Schnorchelspots und den Stränden voller Seelöwen mehr auf San Cristóbal zu entdecken als auf Santa Cruz.
